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“It Happened Here”
Kevin Brownlow im Gespräch mit Mark Lyndon - Teil 2

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Autor: Mark Lyndon. Freitag, den 26. November 2010. Transkription der Audiodateien von Margaret Weedon. Adaption und Übersetzung durch Cordula Lau. Wir danken Christian Appelt für die redaktionelle Mitarbeit bei der ÜbersetzungDate: 03.10.2011
Bucheinband

Mark Lyndon: Können wir uns ein wenig über „It Happened Here“ und „Winstanley“ unterhalten? „It happened here“ hatte einen fiktiven Hintergrund.

Kevin Brownlow: Ja.

ML: Und dennoch habe ich bisher keinen realistischeren Film gesehen – das ist das zentrale Paradoxon. Er fühlt sich unglaublich real an und das hat die Leute möglicherweise zu der Meinung verleitet, dass Sie ein offenes Mikrofon bereitgestellt hätten, um Faschisten....-

KB: Ja

ML: ... eine Plattform zu bieten, von der aus sie als Ranter agieren können (zu den Rantern kommen wir noch später in Zusammenhang mit „Winstanley“). Sie boten ihnen diese Möglichkeit, und man war sehr wütend - Sie sprachen von einer Dame aus Edinburgh, die sagte: „Dies sind Briten, die das getan haben!“

KB: Der Film begann schlichtweg als jugendliche Angeberei. Ich hatte nicht die Absicht, den Film zu machen - was ich wollte, war eine Szene zu drehen, die Produzenten in den Bann ziehen würde, so dass sie sagen würden: „Hier ist das Geld, um den Rest zu drehen“. Meine Aufnahmen waren grauenvoll, aber ich brauchte jemanden, der mir das sagte; ich traf diesen sechzehnjährigen Studenten namens Andrew Mollo, und er dachte, ein Film sei etwas, das man im Odeon auf einer großen Leinwand sieht, das absolut ..... aussieht! Und als er mein Material zu sehen bekam, packte ihn das Grausen; er hatte sich bereit erklärt, mir zu helfen, doch als er meine Aufnahmen sah, war er entsetzt und sagte: „Alles ist verkehrt“. Ich erinnere mich an seinen Wortlaut, und natürlich wurde ich wütend. Ich war zwei Jahre älter als er und mochte es nicht, wenn meine Arbeit kritisiert wurde.
 
More in 70mm reading:

Kevin Brownlow Interview - teil 1

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Projecting “Napoleon” – une pièce de resistance

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Robert A. Harris: Film Restoration on the eve of the Millennium A View from the Trenches

 

„Realistischer als normal!“

 
Kevin Brownlow filmt; Foto von Brownlow.

Ich verstand nicht wirklich, was er meinte; aber er besaß eine Sammlung – sein Vater war Russe und seine Brüder hatten sich auf Frankreich spezialisiert – einer hatte französisches und der andere britisches Militärmaterial, und Andrew hatte deutsches (ich dachte nur: Oh, er ist einer von denen!?! Aber glücklicherweise war er es nicht!). Doch er sagte: „Wenn Du einen fiktiven Film drehen willst, muss er realistischer als normal sein, um die Leute zu überzeugen“. Er unterstrich dies, indem er die echten Sachen, die echten Uniformen vor die Kamera brachte, nicht nur Dinge, die so zurecht gemacht waren, dass sie wie die echten Sachen aussahen – es gab echte Uniformen und Fahrzeuge, alles – und es war ein Unterschied wie Tag und Nacht; ich war von dieser Einstellung à la Erich von Stroheim vollständig hingerissen; wir gingen los und schauten uns die neuesten Filme an; sie waren tatsächlich fast alle unglaublich fehlerhaft, vor allem in den fünfziger Jahren – der einzige, bei dem dies nicht der Fall war, war das Meisterwerk eines Kollegen namens Stanley Kubrick mit dem Titel „Wege zum Ruhm“ (OT: „Paths of Glory“) – der Film hatte uns komplett umgehauen; er war unheimlich überwältigend, und Jahre später half er uns mit kurzen Enden, die Produktion fertig zu stellen.

 
Internet link:

Photoplay Productions

OSCAR speach for Kevin Brownlow

Siment Eara about "Napoleon"

Carl Davis Collection

Napoleon Complex

Wonders in the Dark

BFI Interview with Kevin Brownlow

Kevin Brownlow @ Wikipedia

Sense of Cinema

Able Gance

Triptych

 

Unter dem Einfluss von Orson Welles!

 
Befragung von Kevin Brownlow durch die Polizei; Foto von Brownlow.

Doch ich wollte auch der zweite Orson Welles sein, und schaute mir seine Arbeit an.

ML: Er bezeichnete die Arbeit als Regisseur als „Spielzeugeisenbahn“.

KB: In „Citizen Kane“ brachte er eine fiktive Wochenschau, die absolut Weltklasse war – und ich habe die Idee einfach aufgegriffen und eine fiktive Wochenschau gedreht: zu dieser Zeit - Ende der fünfziger Jahre - arbeitete ich als Cutter, und mein Assistent war Peter Watkins. Er machte ungefähr dasselbe wie wir, aber ihm war die Authentizität nicht so wichtig; er verwendete aber diese Wochenschau-Technik – ich wollte sie nicht während eines gesamten Films einsetzen, ich wollte den Film auf die klassische Art und Weise drehen, doch als es eine Ausrede dafür gab, ging ich in die Vollen und wir drehten eine komplette fiktive Wochenschau. Ich erinnere mich daran, dass sie auf BBC gezeigt wurde, auf Personal Cinema; die Leute protestierten heftig und sagten: „Aber das ist nichts anderes als Nazi-Propaganda!“

ML: Es war so überzeugend.

KB: Ja.
KB: Der Dreh des Films dauerte aus Kostengründen unglaublich lange; wir hatten kein Geld:
ML: Ich glaube, er steht laut Webseite im Guinness-Buch der Rekorde.

KB: Ja, das stimmt, aber das ist ein bisschen ungerecht, weil ein Terminplan fortlaufend geplant sein sollte; wir mussten hingegen nach jedem Tag unterbrechen – jeder Tag war unser erster – dann mussten wir unterbrechen, sparen, mehr Film kaufen, kamen dann einen weiteren kleinen Schritt vorwärts, mussten wieder unterbrechen, sparen, mehr Film kaufen; Andrew hatte jedenfalls kein Geld - er war Kunststudent - und ich arbeitete an Dokumentationen; das Ganze war ziemlich chaotisch.

 
 

Harry Saltzman

KB: Gegen Mitte der Produktion wurde Andrew Regieassistent von Harry Saltzman (Laufbursche von Harry Saltzman) und sein erster Film war „Samstagnacht bis Sonntagmorgen“ (OT: „Saturday Night and Sunday Morning“); der Produzent war kein geringerer als Tony Richardson. Nun gehörte Andrew zu der Sorte Menschen, die sagen würden: „Oh nein, ich werde ihm nicht davon erzählen – ich hasse Leute, die das tun!!“ Doch er hat es entweder getan oder Tony Richardson hat davon erfahren, denn das Projekt erregte reichlich Aufmerksamkeit; Richardson sagte: „Wenn Ihr diesen Film für £ 3.000 machen könnt, unterstütze ich Euch“. Also sagten wir natürlich ja und das Budget wurde um 100% überschritten; doch schließlich konnten wir den kompletten Film für £ 7.000 machen und er war sechsundneunzig Minuten lang; er enthielt zahlreiche aufwendige Szenen und wir wollten damit sagen: „Hallo Filmindustrie, hier sind wir – nehmt uns an Bord - wir wollen Filme für euch machen“; aber niemand meldete sich!!

ML: Sie dachten, eins würde zum anderen führen?

KB: Ja, das war der Grundgedanke; wir hatten allerhand aufgefahren, aber keiner wollte uns haben.
Ich glaube, wir haben zwei grundlegende Fehler gemacht – der eine war, einen Film zu machen, in dem wir selbst als vermeintliche Nazis wahrgenommen werden konnten, und der andere war der, die Konventionen zu brechen und für sehr wenig Geld einen Film zu machen, der um die Welt ging; für weniger als die Titelsequenzen der James Bond-Filme gekostet hatten, wie wir damals zu sagen pflegten.

KB: Das war eine Enttäuschung – wenn auch die Arbeit an dem Film eine tolle Erfahrung war und es noch einige Jahre dauern sollte, bis wir erkannten, dass wir niemals als Filmregisseure beauftragt werden würden. Wir probierten und probierten und probierten und wir wollten diesen Film „Winstanley“ drehen: wir wurden uns darüber im Klaren, dass wir ihn auf eigene Faust machen müssten. Ein weiterer Assistent von mir - Mamoun Hassan - wurde Leiter des Produktionsausschusses des BFI und beschaffte uns einige Mittel für diesen Film.

 
 

“Winstanley”

 
Bucheinband

ML: Der Vivian Leigh Memorial Fund und Eccles, der zu dem Zeitpunkt Kunstminister war (er hatte noch nie die Londoner U-Bahn benutzt, und als sein Rolls-Royce mit Chauffeur eine Panne hatte, gingen sie hinunter in eine U-Bahn-Station; er wusste nicht, was zu tun war. „Was mache ich jetzt – was soll ich tun?“ – „Nun, mein Herr, Sie kaufen eine sogenannte Fahrkarte“ – „Eine Fahrkarte?“ – „Ja, mein Herr, und dann gehen Sie durch die Schranke“ - „Oh, oh, was für eine Innovation!!“)

KB: Großer Gott!

ML: Ich besuchte einen seiner Vorträge während seiner Zeit als Minister unter der Regierung von Heath. Er sagte, er habe sich am vergangenen Abend ein Theaterstück mit dem Titel Alpha-Beta im West End angesehen – „Ich konnte daraus nicht schlau werden“, sagte er. – „Ich mag die Art von Stücken, die einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben!“. Die Leute kicherten verhalten.

KB: Lindsey (Anderson) würde das gefallen!

Lord Eccles wurde von Private Eye erbarmungslos verspottet - sie nannten ihn „Schlauberger Eccles“. Aber das ist Schnee von gestern – um auf „Winstanley“ und das Budget zurück zu kommen:

KB: Ja, das belief sich auf £ 26.000 - alles war seit Fertigstellung des anderen Films (von 1965 bis 1975) teurer geworden. Ich war beim American Film Institute – Andrew und ich sollten einen der Brian Forbes-Filme für ABPC machen, aber wir wurden gefeuert, bevor auch nur eine Aufnahme gemacht wurde, weil es Probleme mit der Besetzung gab. So mussten wir uns leider damit abfinden - und es tut mir immer noch leid - dass wir keine Filme zusammen machen würden.

ML: Philip French sagte auf der Webseite des BFI, dass die größte Tragödie des britischen Kinos die Tatsache sei, dass seitdem keiner von Ihnen bei einem Film Regie geführt habe.

KB: Nett, dass er das sagt.

ML: Aber das zentrale Paradoxon von „Winstanley“? - War es Rosenbaum, der sagte, es sei ein durch und durch englischer Film, der aber über den Kanal gelangen musste, um mit offenen Armen empfangen zu werden - insbesondere von den Franzosen?

KB: Ja, die Franzosen!

ML: Le Monde und viele andere Kritiker lobten ihn in den Himmel und er hinterließ wirklich enormen Eindruck, aber hierzulande verstand man ihn nicht? Oder was war mit den Leuten nicht in Ordnung?
 
 

Welche Erwartungen haben die Engländer an ihren Film!?

 
KB: Um ehrlich zu sein: es lag möglicherweise daran, dass die Engländer in Bezug auf die Schauspielerei extrem hohe Maßstäbe ansetzen; ich habe den Verdacht, dass die Franzosen die Vortragsweise nicht gehört haben - wenn wir die Vortragsweise gehabt hätten, an die Filmkritiker gewöhnt sind, hätten wir möglicherweise eine Chance gehabt; es ist aber auch ein sehr sonderbarer Film, wie ich zugeben muss; doch die Kritiken waren wirklich relativ - gut - ich werde sie nicht so bald vergessen; aber noch einmal: es war eine tolle Erfahrung, den Film zu machen.

Wir hatten die Staffeln, weil wir an den Wochenenden drehen konnten, so dass wir eine kostenlose Besetzung hatten – die einzige Person, die überhaupt etwas bekommen hat, war Jerome Willis, der einzige Profi; er bekam den tariflichen Mindestlohn. Er war unheimlich hilfsbereit; er hat uns Räumlichkeiten besorgt, in denen wir fast alle unsere Innenaufnahmen machen konnten. Witzigerweise hatte er Fairfax in der BBC-Fassung gespielt und einen renommierten Fernsehpreis gewonnen.

(Man wird ihnen nicht erzählen, dass die BBC alle seine Stücke einschließlich dieses Films vernichtet hat! Und es war ein experimenteller Fernsehfilm, bei dem die Männer zu Pferd auf Stehleitern saßen.)
Wie dem auch sei, Jerome Willis war dabei gewesen und hatte somit ein Gefühl für den Film.

 
 

Auf Basis der Originalwerke von „Winstanley“

 
KB: Wir drehten den Film auf der Basis eines historischen Romans und gingen in das British Museum; wir holten die Original-Pamphlete heraus, die Winstanley veröffentlicht hatte; das war ein sehr unheimliches Gefühl, denn vor uns lagen Marks, Engels, Lenin, unglaublich! – und im Gorky Park steht eine Statue zu Ehren von Winstanley! Wir holten diese Pamphlete heraus und sahen eine andere Geschichte. Nicht nur, dass diese Pamphlete wundervoll verfasst waren, sie erzählten auch, was sich ereignet hatte; und nachdem wir den Autor David Cote gebeten hatten, ein Drehbuch für uns zu schreiben, stellten wir nun fest, dass wir eine ganz und gar andere Basis wollten. Also schwenkte der Film zu diesen großartigen Schriftstücken hinüber, und was Sie auf der von Miles Halliwell - dem Darsteller von Winstanley - gesprochenen Tonspur hören, entspricht haargenau dem Wortlaut der Schriftstücke von Winstanley; ich erinnere mich an einen schönen Satz: „Ein Anwalt liebt Geld wie der Hund eines armen Mannes sein Frühstück an einem kalten Morgen“.

ML: Einfach toll, das spiegelt die Zeit wieder - einer der französischen Kritiker schrieb, dass sich diese Leute, die kaum überleben konnten, durch Singen aufgebaut haben?

 
 

Die Diggers und die Ranters

 
35 mm-Aufnahme mit Andrew Mollo und Kevin Brownlow; Foto von Brownlow.

KB: Ja, sie waren eine tolle Truppe, die Darsteller der Diggers; aber das Lustige war, dass beim Eintreffen der Ranters genau die Distanzierung stattfand, die man zwischen den beiden Gruppen erwartet hätte - genau wie es im Film dargestellt wird. Der Darsteller des Anführers der Ranters - Sid Rawle - war ein Prominenter in der New Age-Bewegung: er hat die New Age Travellers-Szene begründet, er hat das Windsor Pop-Festival, das Reading Pop-Festival ins Leben gerufen – er war ein außergewöhnlicher Mensch – er betrachtete sich selbst als Ranter, bezeichnete sich aber als Digger – die New Diggers; so lernte ich ihn kennen.
 
 

Der „Casting-Zug“?

 
Kevin Brownlow filmt; Foto von Brownlow.

KB: Für das Casting fuhren wir mit der U-Bahn – (Wortlaut von Eccles) – und ich traf die perfekte Wahl für die Rolle des Parson Platt – jagte ihn aus dem Zug – den Gang hinunter, stellte ihn, und er sagte:

„Ich würde Ihnen gerne helfen, aber ich bin ein Kaplan der Queen!“

KB: Aber ich glaube, wir haben bei Parson Platt ganz gute Arbeit geleistet; Andrew holte ‚Captain Gladman‘ aus einer U-Bahn; er stellte sich als australischer Wochenschau-Kameramann heraus.

ML: Ja, der Australier, der Akzent hat vielleicht ein bisschen irritiert?
KB: Oh, hat man den herausgehört?
ML: Man hat. Ich habe eine Blu-ray gekauft und auf einem sehr guten Gerät abgespielt; es sah absolut toll aus – aus irgendeinem Grund sieht 16 mm auf Blu-ray ungewöhnlich gut aus, weil diese körnige Struktur immer noch vorhanden ist und fantastisch rüberkommt.

KB: Mich hat jemand im NFT angehalten und gesagt: „Ich habe vor kurzem Ihren Film auf Blu-ray gekauft und wünschte, ich hätte es nicht getan – die ganze Atmosphäre ist weg!“

KB: Ich habe es nicht gewagt, mir den Film anzuschauen. Ich war von der anderen Fassung auf DVD so geschockt, weil die allererste Aufnahme des gesamten Films falsch gekörnt war; und ich hatte den Film von vorne bis hinten gekörnt. Der Kameramann hatte den Film ebenfalls von vorne bis hinten gekörnt, und plötzlich ist die Körnung falsch; ich konnte es danach nicht ertragen, den Film anzuschauen!

ML: Nun, hoffentlich hat man es verbessert, wenn das vielleicht auch nur eine Hoffnung bleiben wird....

 
 

Weitere Einblicke – Sozialismus?

 
KB: Was gibt es noch über „Winstanley“ zu sagen – seine Ideen waren für diese Zeit absolut außergewöhnlich. Es war das erste Mal, dass Sozialismus - christlicher Kommunismus - das darstellte, was es eigentlich ist; aber wir sagen das nicht so oft, weil dieses Wort die Leute in Aufregung versetzt; doch er war ein Kommunist im eigentlichen Sinn; der Kommunismus wurde noch nicht wirklich versucht, er wird immer nur in roten Faschismus verwandelt.

ML: Ausnahmslos, abgesehen von der Kibbuz-Bewegung in Israel, um ein Beispiel zu nennen.

KB: Ja, ich habe davon gehört.

KB: Es hat in diesem Fall ebenso wenig funktioniert, aber es war faszinierend, zu sehen, wie sie dachten, was sie dachten, was sie schrieben – unglaublich. Ernie Vincze, ein Ungar, war im Alter von 14 Jahren vor dem Ungarnaufstand geflohen. Er war an dem Film beteiligt - er war der Kameramann; er hatte einen tollen Blick, nachdem wir erst einmal die ersten Hürden bei unserem Versuch überwunden hatten, dieses trockenere Aussehen zu bekommen und uns die Laboranten nicht verstanden hatten.
KB: Ich habe darüber sogar auch ein Buch geschrieben: „Winstanley – Warts and All“.

 
 

André De Toth und andere, Meinungen zu Cinerama!

 
ML: Eine letzte Frage, wenn Sie erlauben – ich hatte eine Auseinandersetzung mit André De Toth...

KB: Tatsächlich?

... in den neunziger Jahren über Cinerama; er verachtete es zutiefst. Er sagte immer wieder: „Ihr Cinerama ist – so und so .**.!“ – Und ein paar Jahre später hatte ich eine Diskussion mit einem ihrer nahen Nachbarn, Jonathan Miller; er ging darüber geringschätzig und voller Überheblichkeit hinweg und lehnte es schlichtweg ab. Ich fragte mich, was hat Cinerama, das einäugigen ungarischen Filmregisseuren und Intellektuellen derartige Angst einflößt?!

KB: Oh, André De Toth hat den ersten 3-D-Film gemacht und konnte nicht räumlich sehen – weil er nur ein Auge hat; es ist wirklich ironisch, wenn ausgerechnet er Cinerama ablehnt. Aber es ist der Zirkus, der in die Stadt kommt – es ist die Seite des Kinos, Reiseberichte, James Fitzpatrick, und all die Dinge; mit der Ausnahme, dass sie Merian Cooper hatten. Wir haben darüber einen Film gemacht - haben Sie ihn gesehen?

ML: Nein, leider nicht – da habe ich wohl noch Nachholbedarf.
 
 

Dave Strohmaier – Cinema Adventure

 
KB: Er trägt den Titel „I’m King Kong“ und handelt von der Karriere von Merian Cooper; der Film enthält am Ende einiges über Cinerama. Außerdem gibt es einen Kollegen namens Dave Strohmaier - er hat eine fantastische Dokumentation mit dem Titel „Cinerama Adventure“ gedreht.

ML: Oh, ja, die habe ich.

KB: Und darin ist Gance zu finden, nicht war? Irgendwann. – Das ist eine fantastische Dokumentation.

ML: Dave - er liefert eine tolle Darstellung von John Wayne ab.
KB: Wirklich? Ich werde es mir noch einmal anschauen.

ML: Vor einigen Jahren waren wir in der Bar des Midland Hotel in Bradford; die Feierlichkeiten des Tages waren beendet und wir fingen an, andere zu imitieren; er stand auf, ging los und es war perfekt. Das Schöne am Breitwandfilm-Wochenende beim Bradford Film-Festival ist die Aftershow-Party in der Bar mit Leuten aus der Branche; wir haben viele amüsante Geschichten, Eindrücke und mehr ausgetauscht. Doch an dieser Stelle müssen wir aufhören und bedanken uns herzlich für das Gespräch.

KB: Nichts zu danken.

ML: Cut!
 
 
  
  
Kevin Brownlow Interview - teil 1 
  
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Updated 22-12-16