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Emil & Max Skladanowskys Bioscop
Die erste offizielle Filmvorführung für ein zahlendes Publikum in Europa

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Verfasst von: Thomas Hauerslev. Assisted by: Gerhard Witte (Berlin)Date: 21.10.2025
Emil und Max Skladanowsky mit ihrem Bioskop im Jahr 1936. Der Text über dem Gerät ist unten zu lesen. Foto: WiKi (Public domain):

Das "Heiligtum"
der Deutschen Kinematographie.
Hier am 1 November 1895 zum ersten
Mal öffentlich im Gebrauch genommene
Original-Film-Projectur "Bioscop"

Am 1. November 2025 ist es 130 Jahre her, dass Emil und Max Skladanowsky als Erste in Europa Bioskop-Filme vor einem zahlenden Publikum zeigten. Die Premiere fand im Wintergarten-Varieté in Berlin statt, das zum großen Hotel Central in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße gehörte. Damals waren „lebende Fotografien” der große Abschluss einer Varieté-Show und keine eigentliche Kinovorstellung, wie wir sie heute kennen. Am Premierenabend traten die Brüder Skladanowsky daher auch als Nummer 18 auf, direkt nach einem Auftritt von Ephraim Thompson und seinen drei schönen Elefanten.

Max Skladanowsky (30.04.1863 – 30.11.1939) war einer der Pioniere im Bereich der bewegten Bilder und gilt als Erfinder der Filmvorführung in Deutschland. Zusammen mit seinem Bruder Emil entwickelte er das Bioskop, einen der ersten Filmprojektoren für bewegte Bilder.

• Go to gallery Emil & Max Skladanowskys Bioscop projector for 54mm film
• Go to PDF Schauburg Programmheft, Oct 2025, seite 22
 

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Der Bioskop-Filmprojektor von Emil & Max Skladanowsky, wie er im Filmmuseum Potsdam außerhalb von Berlin zu sehen ist. Die Bioskop-Maschine steht hinter Glas, und das projizierte Bild des Projektors besteht aus mehreren Bildern, weshalb hier und da kleine Ungenauigkeiten auftreten. Foto: Thomas Hauerslev

Der Name „Bioskop” leitet sich vom griechischen „bios” (βίος) ab, was „Leben” bedeutet, und „skopeō” (σκοπέω), was „sehen” oder „beobachten” bedeutet. Mit anderen Worten: Bioskop = das Leben beobachten.

Die Brüder Skladanowsky führten ihre Bioskop-Maschine bereits im Juli 1895 im Gasthaus Sello im Berliner Vorort Pankow vor. Die Vorführung wurde von Julius Baron und Franz Dorn besucht, die die Brüder für den Wintergarten engagierten. In diesem Varietétheater zeigten Emil und Max Skladanowsky am 1. November 1895 zum ersten Mal ihre bewegten Bilder öffentlich vor einem zahlenden Publikum. Die Premiere war gleichzeitig die erste öffentliche Vorführung von bewegten Bildern in Europa. Der Bioskop-Projektor lief vier Wochen lang mit insgesamt 23 Vorstellungen. Das Programm der Skladanowskys in Berlin umfasste neun kurze Filmsequenzen mit einer Spielzeit von jeweils 6 bis 11 Sekunden. Ein Musikstück wurde komponiert und begleitete die Filmvorführung, die insgesamt 15 Minuten dauerte. Die Musik sollte das Geräusch der laufenden Maschine übertönen.

Das Bioskop-Programm im Wintergarten in Berlin

Im Wintergarten in Berlin gezeigte Bioscop-Filmtitel:
1) Italienischer Bauerntanz mit der Kindergruppe Ploetz-Larella, 1895 (0:18)
2) Komisches Reck mit Milton Borthers, 1895 (0:20)
3) Das boxende Känguru mit Mr. Delaware, 1895 (0:17)
4) Der Jongleur mit Paul Petras, 1895 (0:19)
5) Akrobatisches Potpourri mit der Familie Grunato, 1895 (0:16)
6) Kamarinskaja, aufgeführt von den Brüdern Tscherpanoff, 1895 (0:19)
7) Die Serpentintänzerin, aufgeführt von Fräulein Ancion, 1895 (0:18)
8) Ringkampf zwischen Grainer und Sandow mit John Greiner & Eugen Sandow, 1895 (0:20)
9) „Apotheose” Die Erfinder des Kinos, Emil und Max Skladanowsky, begrüßen das Publikum und verbeugen sich vor der Kamera, 1895 (0:16)
 
 

Die Entwicklung bewegter Bilder

 
„Das Bioscop” hatte am 1. November 1895 in Berlin Premiere und gilt als europäische Premiere der ersten bewegten Bilder für ein zahlendes Publikum.

Im Jahr 1895 war die Entwicklung bewegter Bilder vielerorts in vollem Gange. Thomas Edisons Kinetoskop aus Amerika hatte bereits einige Jahre zuvor Einzug in europäische Städte gehalten, aber da es sich dabei ausschließlich um ein Ein-Personen-Guckkasten-Erlebnis handelte, zählt es nicht wirklich als Kino. Das Kinetoskop war jedoch einer der ersten kleinen Schritte in Richtung Film und Kino, wie wir es heute kennen. In Frankreich arbeiteten die Brüder Auguste und Louis Lumière im Sommer 1895 an ihrem Cinématographe, einem kombinierten Gerät für die Aufnahme, das Kopieren und die Vorführung von 35-mm-Filmen. Die Premiere des Cinématographe der Brüder Lumière fand am 28. Dezember 1895 im Salon Indien du Grand Café in Paris statt, fast zwei Monate nach der Premiere des Bioskop in Berlin.

Seit den Höhlenmalereien hat der Mensch versucht, eine Illusion von Bewegung wiederzugeben. Anfangs zeichnete man einfach mehrere Beine an die Tiere, um Bewegung darzustellen. Später kamen bewegliche Schattenbilder, Camera obscura, Zoetropes, Laterna magica, Illusionen und vieles mehr hinzu. Im Jahr 1878 nahm der Fotograf Eadweard Muybridge eine Serie von 12 Bildern eines Pferdes auf (Chronophotography). Er entdeckte, dass es eine Illusion von Bewegung erzeugte, wenn man die Bilder in schneller Abfolge betrachtete. Die Idee der „lebendigen Bilder” war geboren. Bereits 1887 versuchten sich der Engländer William Friese-Greene und der Franzose Louis Le Prince an lebendigen Bildern auf einem 54 mm breiten Film. Die Idee der öffentlichen Filmvorführung setzte sich in den USA am 20. Mai 1895 durch, als Woodville Lathams Eidoloscope in New York (USA) Premiere feierte. Dieses Datum gilt als Meilenstein in der Filmgeschichte, da es sich um die erste Vorführung von bewegten Bildern vor einem zahlenden Publikum handelte. Fünfeinhalb Monate später gab es eine ähnliche Premiere für bewegte Bilder in Europa.

The Fight That Started the Movies
Projection and Wide Film (1895-1930)
Working for Louis de Rochemont
The History of 70mm Short Subjects
 
 

Skladanowsky auf Tournee mit das „Bioskop“

 
Nach den Vorführungen in Berlin gingen die Brüder Skladanowsky mit ihrem Bioskop-Vorführgerät und den Filmen, die sie bei der Premiere in Berlin gezeigt hatten, auf Tournee. Die Reise führte sie durch Deutschland und nach Frankreich, England, Holland, Norwegen, Dänemark und Schweden. Emil und Max Skladanowskys Bioskop-Tournee führte sie auch nach Dänemark, wo sie im Rahmen der „Tivoli-Revue 1896” auftraten. Die Brüder Skladanowsky traten mit dem Bioskop vom 11. Juni bis zum 30. Juli 1896 im Pantomimetheater im Tivoli in Kopenhagen auf. Das war vier Tage nach der Premiere der ersten „lebenden Bilder” in Dänemark, die am 7. Juni 1896 im Kinoptikon des Kunstmalers Lauritz Vilhelm Pacht in der Ausstellungshalle von "Kopenhagens Panorama" stattfand

Tour plan:

• Central Hotel, Varietéteater Wintergarten, Berlin: 01.11.1895, (Bioskop premiere)
• Concerthaus, Hamburg: 21.12.1895
• Paris 01.01.1896 (gestrichen)
• London (gestrichen)
• Köthen: März 1896
• Halle: März 1896
• Magdeburg: März 1896
• Circus Varieté, Oslo, Norwegen: 06.04.1896 - 05.05.1896 (Die erste Filmvorführung in Norwegen)
• Groningen, Holland: 14.05.1896 - 24.05.1986
• (Amsterdam, Holland: )
• Tivoli, Kopenhagen, Dänemark: 11.06.1896 - 30.07.1896 *)
• Stockholm, Schweden: 03.08.1896 - September 1896
• Zentralhallen-Theater, Stettin: Die letzte Bioskop Vorführung am 30.03.1897

*) Am Tag der Premiere des Bioskop wurden auch Filme im Kinoptikon von Lauritz Vilhelm Pacht in seiner "Kinoptikon" Ausstellungshalle im Kopenhagener Panorama gezeigt, sowie "Bioskopticon"-Vorführungen im Gasthaus „Wodrofflund” um 22:30 Uhr mit mehreren bewegten Bildern.

Program Tivoli, Copenhagen 11. juni 1896:

Heute Abend nach der Pantomime, die bereits um 9¾ Uhr aufgeführt wird, erste Vorführung von Lebenden Fotografien mit folgendem Programm:
• Italienischer Bauerntanz, 1895
• Komisches Reck, 1895
• Das Boxende Känguruh, 1895
• Der Jongleur, 1895
• Kamarinskaja, 1895
• Ringkämpfer 1895
„Apotheose” Die Erfinder des Kinos, Emil und Max Skladanowsky

 

 

Sequenzaufnahmen und die Bioskop-Maschine

 
Um einen Eindruck von der Größe des Projetors zu vermitteln, ein Bild von der Bioskop-Maschine im Foyer des Potsdamer Filmmuseums (Berlin) vom 14. Juni 2025. Bo Hansgaard (rechts) & Thomas Hauerslev (links).

Die Brüder Skladanowsky produzierten alle ihre Bioskop-Demonstrationsfilme selbst. Es handelte sich um kurze Sequenzaufnahmen, die auf George Eastmans Kodak-Rollfilm aufgenommen wurden. Genau wie Eadweard Muybridge 1887 Sequenzaufnahmen von einem Pferd gemacht hatte. Die Herstellung von Bioskop-Filmen war ein komplizierter Prozess. Die Sequenzaufnahmen waren ungleichmäßig, da der Abstand zwischen den einzelnen Bildern nicht gleich groß war, weil das Negativ nicht mit Perforationen versehen war. Skladanowsky schnitt daher die einzelnen Bilder aus, platzierte sie neu und verband die Bilder mit Metallösen auf zwei Filmstreifen. Die Bilder 1, 3, 5 usw. auf dem einen Film und 2, 4, 6 usw. auf dem anderen Film. Ein Streifen mit den ungeraden Bildern und ein Streifen mit den geraden Bildern. Zum Schluss schnitt er die beiden Streifen auf eine Breite von 54 mm zu. Die erste Bioskopaufnahme war nur 48 Bilder lang, was eine Spielzeit von ganzen drei Sekunden ergab, verteilt auf zwei Filmstreifen in der Maschine. Die Demonstrationsfilme im Wintergarten variierten zwischen 99 und 174 Bildern.

Die Bioscop-Maschine zeigte 16 Bilder pro Sekunde – 8 Bilder von jeder Filmrolle, was ausreichte, um die Illusion von Bewegung zu erzeugen. Jedes Bild war mit zwei handgefertigten Perforationslöchern versehen – bei der Maschine in Potsdam handelte es sich um kleine kreisförmige Perforationslöcher mit Metallverstärkung. Die Filme waren endlos und liefen in einer Schleife, die weniger als eine Minute dauerte. Die Maschine war praktisch ein Doppelprojektor mit zwei Objektiven, einer gemeinsamen Frontblende und Kohlebogenlicht und gleichzeitig ein Hintergrundprojektionssystem, sodass das Publikum die Maschine nie in Betrieb sah. Die beiden spiegelbildlichen Filme wurden auf einer weißen Leinwand mit einer Wasseroberfläche gezeigt, um die Bildqualität zu verbessern.
 
 
Emil & Max Skladanowskys Bioskop-Filmmaschine (Patent 88599) mit einer Kopie des Films „Komisches Reck” in der Maschine. Foto: Thomas Hauerslev

Die Bilder auf den beiden 54-mm-Filmstreifen wurden abwechselnd auf den beiden zusammengebauten Maschinen über einen doppelten Schneckenantrieb/Zahnradantrieb gezeigt. Auf der Vorderseite wurde die Maschine von einer manuellen Handkurbel angetrieben, die eine Fahrradkette zog. Es musste im Uhrzeigersinn gedreht werden. Die Maschine blendete abwechselnd von einem Film zum anderen. Das Prinzip ist aus der Laterna Magica bekannt, bei der animierte Lichtbilder eine Illusion von Bewegung erzeugen konnten, wenn man das eine Lichtbild im Verhältnis zum anderen bewegte. Die Brüder Skladanowsky waren mehrere Jahre zuvor mit der Laterna Magica auf Tournee gewesen.

Skladanowsky baute die Maschine selbst aus Holz und Metall mit Schrauben und Beschlägen. Die Bioskop-Maschine ist einzigartig und so kompliziert, dass das Prinzip nie Anwendung oder Verbreitung fand. Ende 1896 brachte Skladanowsky die Bioskop II-Maschine mit nur einem Film und nur einem Objektiv auf den Markt. Die letzten Vorführungen des Bioskops fanden am 30. März 1897 im Zentralhallen-Theater in Stettin statt. 1936 wurden Max und Emil Skladanowsky durch die Vermittlung der NSDAP wieder vereint. Die Brüder hatten sich seit dem Tod ihres Vaters drei Jahrzehnte zuvor nicht mehr gesehen. Das Bioskop und die Brüder Skladanowsky sind heute praktisch in Vergessenheit geraten.

Max Skladanowsky wurde in Pankow außerhalb von Berlin geboren und ist auf dem Pankower Friedhof IV (Abteilung Erbb 24-1) in Niederschönhausen, Pankow, Berlin, Deutschland, begraben. Eine Gedenktafel befindet sich in der Nähe seines Geburtshauses in der Waldowstraße 28 im Berliner Vorort Niederschönhausen. Außerdem hat Max Skladanowsky einen Filmstern am Potsdamer Platz im Zentrum Berlins. Die Bioskop-Maschine kann kann in der foyer des Potsdamer Film Museums südwestlich von Berlin besichtigt werden. Die Maschine befand sich bis 1966 im Besitz der Familie, dann wurde sie an das Filmarchiv der DDR verkauft. Seit 1983 ist die Maschine im Filmmuseum ausgestellt.

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Wim Wenders' „Die Gebrüder Skladanowsky”

 
Max Skladanowskys Filmstern am Potsdamer Platz in Berlin, Juni 2025. Etwas vernachlässigt und verblasst. Foto: Thomas Hauerslev

1995 drehte Wim Wenders den semidokumentarischen Film „Die Gebrüder Skladanowsky” mit u. a. Lucie Hürtgen-Skladanowsky (05.07.1904 – 14.05.2001), der Tochter von Max Sklanadowsky. Der Film handelt davon, warum das Bioskop der Brüder Skladanowsky technisch schlechter war als der Cinématographe der Brüder Lumière und warum das Bioskop deshalb keinen wirklichen Durchbruch erzielte.
 
 
  
  
  

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Updated 22-10-25